Ein Advanced Training mit Angelica Anke Feldmann
von Christoph Habegger , Wien
„Aufrechtsein bedeutet die Unversehrtheit der inneren, tragenden Räume.“ Dieses Zitat von Stanley Keleman begleitete uns durch das zweite Advanced Training von Angelica Anke Feldmann in Wien.
Das Advanced Training verstand sich als Fortsetzung und Vertiefung der letztjährigen Arbeit mit dem Thema „Der innere Halt - Stabilität versus Rigidität“. Ging es vor einem Jahr um innere Länge und Halt bei gleichzeitiger äußerer Gelassenheit und Flexibilität, stand diesmal das Räumliche im Vordergrund. Seine Bedeutung für Aufrichtung, Kraft und Ausdruck sollte sich in den drei Tagen Schicht für Schicht - oder eben Ebene für Ebene - für uns erschließen.
In seinem Buch „Das starke Selbst“ widmet Moshé Feldenkrais ein Kapitel der Bedeutung von Becken und Unterleib sowie deren Beziehung zum Kopf. Es geht ihm dabei in erster Linie um die Vermeidung parasitärer Kontraktion und die Förderung parasympathischer Dominanz, soweit dies absichtlich überhaupt möglich ist.
Parasitärer Kontraktion, der Angst, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein oder überhaupt nicht gut genug zu sein, setzt Feldenkrais eine Empfindung entgegen: die des „Gefülltseins des unteren Unterleibs“. Diaphragmen trennen und verbinden innere Räume, ihre Qualität hat Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem und unseren Selbstausdruck. Sie können im Zusammenspiel mit der tiefen stützenden Muskulatur und unserem Skelett dazu beitragen, eine optimalere Anpassung an die Schwerkraft zu gewährleisten.
Angelica Anke Feldmann bot eine Vielzahl an Anregungen, sich den Diaphragmen und Körperräumen anzunähern. Sie kombinierte spielerisch und abwechslungsreich Textpassagen, ATM, Demonstrationen am Skelett, FI, Vorstellungsbilder und Bewegungsexperimente.
Besonders eindrücklich war ein Experiment mit dem Partner: Die inneren Räume einnehmen und dem Druck des Partners eine vitale Kraft entgegensetzen. Spielend mit den Nuancen zwischen Aufrechtsein, kollabieren oder aufplustern, loteten wir den schmalen Grat zwischen Unter- oder Überspannung, resp. lebendiger Tonisierung aus.
Atem und Stimme, beides raumdefinierende, dreidimensionale Innenbewegungen, boten eine weitere Hilfe. Der Luftballon wurde zum Resonanzraum, dessen Schwingung sich auch in uns ausbreitete. Die „inneren Kathedralen“ wurden mit Klang erfüllt. Die gleitende Stimme schließlich verband sie. Für unseren Partner wurde die Veränderung in der Klangfarbe und der Schwingungsbereitschaft unserer Stimme spür-, sicht- und hörbar.
Wie der Koan eines Zen-Meisters erschließt sich der eigentliche Sinn dieses Satzes, seine wesentliche Funktion, nur intuitiv, ohne Worte. Für uns wurde er in diesem Advanced Training wieder erfahrbar. Mit vielen Anregungen für Körper, Geist und Seele. Eine humorvolle, unprätentiöse Weghilfe zu einem aufrechten Sein.

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